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Interview: Julia Jentsch zum Film Schneeland

Sie spielen in SCHNEELAND eine junge Frau in extremen Lebensbedingungen: Was hat Sie an der Rolle gereizt?

Als meine Agentin mir das Drehbuch zugeschickt hatte, war ich sofort völlig begeistert. Ich hab es regelrecht verschlungen. Das hat von der ersten Seite an einen richtigen Sog auf mich ausgeübt, und mich wie ein Roman sofort in diese andere Welt befördert. Ich liebe diese poetische Sprache, sie besitzt eine Intensität, die in mir sofort sehr viele Bilder erzeugt.
Mich hat die Heftigkeit der Rolle gereizt, und die damit verbundene Herausforderung.
Besonders gut gefiel mir auch, zu sehen, wie sich so ein großes Unglück, so ein schreckliches Leben durch die Liebe in etwas Positives verwandeln kann. Und dass sich darüber hinaus nicht nur Inas Leben verwandelt, sondern auch noch einer anderen Person Kraft gibt: Elisabeth sieht, was dieser Frau alles passiert ist, dass sie trotzdem weitergelebt, Kinder und Enkelkinder bekommen hat. Daraus zieht sie die Kraft, ihr Leben weiterzuleben und zu den Kindern zurückzugehen.

Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen den beiden Frauen?


Es gibt über die Zeiten hinweg eine richtige Seelenverwandtschaft zwischen ihnen. Da geht es auch darum, welche Bedeutung die Vergangenheit für heute hat, und was vom Leben bleibt, das es einmal gab. Elisabeth geht in die Wildnis, um sich umzubringen, und begegnet dort plötzlich einer Frau aus der Vergangenheit, deren Gedanken sich in ihrem Kopf festsetzen, nur durch die Spuren, die sie in dem verlassenen Haus findet.

Wie wichtig war Ihnen der emanzipatorische Aspekt?

Es ist einfach gut zu sehen, wie diese Frau Stärke entwickelt und dann beginnt, sich zu wehren.

Inwieweit können Sie sich mit diesen schwierigen Prozesses des Erwachsenwerdens in den drei Filmen identifizieren?

Im Vergleich mit Sophie Scholl, die im Nationalsozialismus gelebt hat, Jule, die in DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI mit diesem Schuldenberg zu tun hat und Ina, die von ihrem Vater missbraucht wird, habe ich es natürlich viel leichter. Die Umgebung, in der ich in Berlin aufgewachsen bin und die gesellschaftlichen Verhältnisse sind recht unproblematisch. Gerade darum interessiere ich mich für diese Geschichten und daher auch meine Lust mich mit ihnen auseinander zu setzen, mich ihnen über Fantasie und Vorstellungskraft anzunähern.

Wie haben Sie sich auf die Rolle einer Frau in den dreißiger Jahren in Schweden vorbereitet?

Die Vorbereitung begann im Grunde schon mit einem Gespräch mit Hans, dann habe ich das Buch gelesen und immer um Material gebettelt. Ich habe daraufhin ein paar Fotos aus der Zeit bekommen, die mir eine Idee von diesem Alltag vermitteln. Dann bin ich einige Male ganz praktisch auf einen Milchhof am Rand von Berlin gegangen, um das Melken auszuprobieren, damit das nicht völlig linkisch aussieht. Darüber hinaus ist das Kostüm natürlich auch eine sehr große Hilfe, teilweise hatte ich ja zehn Röcke übereinander an, aus rauen Stoffen. Überhaupt vermittelt sich das Lebensgefühl dieser Zeit ganz direkt und physisch über das ganze Umfeld, wenn man nur eine Feuerstelle zum Kochen hat, die Fische in einem Tonkrug verstaut, und diese Betten mit den Fellen sieht...

Waren Sie wegen der drastischen Darstellung von Sex und Gewalt beunruhigt?

Beim Lesen habe ich gar nicht daran gedacht, und die Schönheit der Liebeszenen tritt ja gerade gegen diesen schlimmen Hintergrund, gegen die Brutalität besonders stark hervor. Als ich dann wusste, dass ich die Rolle spiele, habe ich mich schon gefragt, wie das sein wird. Schwierig fand ich dabei insbesondere die Prügelszenen mit dem Vater. Es war mir aber ziemlich schnell klar, dass die zur Geschichte dazu gehören, dass man die körperlichen Qualen zeigen muss, um das Ausbrechen verständlich zu machen.

Wie haben Sie die Extreme dieser Landschaft empfunden?

Die Landschaft war sehr beeindruckend, man fühlte sich unglaublich verloren in dieser endlosen Weite, da waren die Bilder aus dem Buch sofort da. Man spürt die Entfernungen, die Einsamkeit und Abgeschiedenheit ganz physisch am eigenen Leib.

Fanden Sie es schwierig mit relativ sparsamen Dialogen auszukommen?

Nein, das gefiel mir an der Rolle. Im Kino mag ich es selbst sehr gerne, wenn man den Menschen erst Mal ganz in Ruhe zuschauen kann, was sie tun.

Wie haben Sie das Zusammentreffen der ganz unterschiedlichen Schauspielstile beispielsweise von Uli Mühe und Thomas Kretschmann wahrgenommen?

Dieses Zusammentreffen war sehr interessant. Thomas ist jemand, der am liebsten gar nicht richtig probt, sondern gleich den ersten Versuch aufnimmt. Uli dagegen erarbeitet sich eine Rolle durch intensive Proben, wie er das vom Theater kennt.

Hans W. Geißendörfer und Hans Weingartner, mit dem Sie DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI gedreht haben stehen ja auch für sehr unterschiedliche Regiestile....

Ja, und es ist schön, beides erlebt zu haben. Geißendörfer weiß sehr genau, wie er die Szene zeigen will, Kameratechnik und -fahrten sind bei ihm viel aufwändiger und wenn sie einmal ausgetüftelt sind, ist man auch sehr festgelegt. Im Vergleich dazu hatten wir bei Weingartner mit den digitalen Handkameras natürlich viel größere Freiheiten, da entstehen viele Ideen aus dem Moment heraus, da wird vor Ort noch viel verändert und Unterschiedliches ausprobiert. Diese verschiedenen Methoden gibt es ja auch im Theater, da sind immer Regisseure, die sehr offen arbeiten, und andere, die alles sehr genau festlegen, und oft sind es ja auch die Geschichten, die nach einer bestimmten Form verlangen. Für mich sind es gerade die Unterschiede des Ansatzes, die spannend sind, die Abwechslung, auch zwischen Theater und Kino.

Was bekommen Sie im Kino, das Ihnen das Theater nicht bieten kann?

Das ist eine ganz andere Arbeitsenergie, weil jeder Tag zählt, weil alles, was gedreht wird, Teil des fertigen Films sein kann. Es ist faszinierend, dass all diese Teile nachher von anderer Hand zu einer Geschichte zusammengefügt werden. Andererseits ist es auch schön, eine ganze Geschichte von Anfang bis Ende zu erzählen, und dass man sich Zeit lassen kann, bis es wirklich stimmt.
Ich mag diese Kontraste, die ganz unterschiedlichen Arbeitsweisen.


 
© Julia-Jentsch.de 

 

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