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Das Neue Deutschland
16.02.2005

Marc Rothemunds Verflilmung »Sophie Scholl – die letzten Tage« konnte man nicht anders als skeptisch entgegensehen. Denn Rothemund war bislang mit eher trivialen Arbeiten wie »Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit« oder »Harte Jungs« aufgefallen. Einen guten Film über die »Weiße Rose« hatte Michael Verhoeven bereits 1982 gedreht. Einen notwendigen Film. Denn unglaublich, aber wahr: Zu diesem Zeitpunkt hatten im Westen Deutschlands Freislers Volksgerichtshof-Todesurteile immer noch Rechtskraft. Darum durfte die »Weiße Rose« nicht an Schulen oder in Goethe-Instituten gezeigt werden. Die – christlich motivierten, eher konservativen – Hitler-Gegner galten als zu Recht mit dem Tode bestrafte Hochverräter, weil sie 1943 nationalpatriotisch-pazifistische Flugblätter gegen Hitlers Krieg in der Münchner Universität ausgelegt hatten. Das gehört auch zum Thema Rechts- und Unrechtsstaat. Bis 1985 dauerte es, dass der Bundestag feststellte, der Volksgerichtshof sei »kein Gericht im rechtsstaatlichen Sinne«, sondern ein »Terrorinstrument« gewesen.

Fred Breinersdorfer schrieb für Marc Rothemund das Drehbuch. Er konnte dabei auf die Protokolle der dreitägigen Gestapo-Verhöre zurückgreifen, die er in ehemaligen DDR-Archiven fand. Rothemund konzentriert sich ganz auf diese Protokolle und Zeugenaussagen von Beteiligten. So entsteht ein minutiöses Kammerspiel: Gewissensauftrag gegen Gefolgsmann. Der Einzelne und die Macht, die ihn vernichten wird. Trotzdem kann alle Macht die moralische Überlegenheit des Humanen nicht auslöschen. Rothemund inszeniert überaus differenziert. Denn auch der bei den Nazis zur Gestapo aufgestiegene vormalige Dorfpolizist Robert Mohr ist nicht ohne Gefühle für die einundzwanzigjährige Studentin. Will ihr Brücken bauen. Will, dass sie sich durch ihren Bruder zur Beteiligung an den Aktionen verführt ausgibt. Und versteht nicht, dass sie brüsk ablehnt. Nicht sie hat Deutschland verraten, sondern Hitler ist der Verräter. Gegen Hitler zu kämpfen, heißt für Deutschland zu kämpfen.
Sollte man im Schillerjahr auch und zuerst an Menschen wie Sophie Scholl denken? Widerständige Kinder des deutschen Idealismus. Keine Märtyrer, keine Heldennaturen – aber nicht um das Wissen, was Menschlichkeit und was Barbarei ist, zu betrügende Einzelne. Das Opfer, das sie für ihr Vaterland bringen, ist ein tieftrauriges.
Der Film gewinnt an Intensität in der Beschränkung auf Sophie Scholls sechs letzte Lebenstage. Er endet mit ihrer Hinrichtung unmittelbar nach dem Todesurteil. Dass dieser Film bewegt, verdankt er vor allem Julia Jentsch als Sophie Scholl. Kein Star, aber etwas viel Besseres: eine vielversprechende junge Schauspielerin (Abschlussjahrgang 2001 der Ernst-Busch-Schauspielschule). Ihre Stärke hat nichts Abgepanzertes, bleibt voller Angst und Zerbrechlichkeit.

 
© Julia-Jentsch.de 

 

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