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Das neue Kinogesicht
von Frank Olbert  25.01.05
Kölner Stadt Anzeiger

Julia Jentsch im Gespräch

Derzeit erlebt die Akteurin, die auch an den Münchner Kammerspielen wirkt, einen regelrechten Leinwand-Boom.

Julia Jentsch hat sich fein gemacht. Hat sich ein ziemlich tief ausgeschnittenes Kleid angezogen, einen Pelz darüber gelegt und hohe Schuhe übergestreift: Keine Spur von jener Jule, die sie in „Die fetten Jahre sind vorbei“ als leicht nachlässige Aussteigerin spielt. Keine Spur auch von der bäuerlichen Leidenschaft der Ina in Hans Werner Geissendörfers „Schneeland“, und erst recht nicht von der gefassten Strenge der „Sophie Scholl“, als die sie demnächst in die Kinos kommt. An diesem Abend ist die Jungdarstellerin Jentsch ganz Dame, bereit für die bevorstehende Premierenfeier zu „Schneeland“, auf der sie mit Schneekanonen vor dem Kölner Cinenova begrüßt werden wird.

Gedrängte Taktzahl

Wenn es so ist, dass der heimische Film derzeit zum Durchstarten ansetzt, dann ist Julia Jentsch so etwas wie das Gesicht dieses neuen deutschen Kinos. Ein wenig unglücklich sei sie darüber, so sagt sie im Gespräch, dass sie in diesen Monaten in so gedrängter Taktzahl auf die Leinwand gerät. Hans Weingartners „Die fetten Jahre sind vorbei“ entpuppte sich als Überraschungserfolg, „Schneeland“ ist das Kinocomeback des Altmeisters Geissendörfer, und „Sophie Scholl“ das neue Renommierprojekt von „X-Filme“, mit dem man unter anderem auf der Berlinale zu beeindrucken hofft - Julia Jentsch immer mit dabei, immer in Hauptrollen, in historisch hoch sensiblen Titelrollen gar.

Dabei ist sie keine von der lauten Sorte, auf der Leinwand nicht, und nicht im Gespräch. Nahezu schüchtern sitzt sie mit ihrem seltsamen Pelz in einem der Ledersessel der „Intercontinental“-Bar, sehr konzentriert, sehr bei der Sache, und erzählt von ihrer Ausbildung auf der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, die Andreas Veiel vor kurzem in einem Dokumentarfilm als äußerst renommierte, aber auch drakonische Lehranstalt porträtiert hat. „Als ich diesen Film gesehen habe, bin ich schon ins Nachdenken gekommen“, sagt sie - ins Grübeln über den autoritären Stil der Schule, dem sie sich während ihrer Ausbildung offenbar fügte.

Der Schule jedenfalls hat die 1978 geborene Berlinerin zu verdanken, dass sie beim abschließenden Vorsprechen Theaterintendanten auffiel - und im Jahr 2001 ins Ensemble der Münchner Kammerspiele aufgenommen wurde, wo sie etwa als Elektra und Antigone auftrat. Eine Blitzkarriere, könnte man meinen, die dem anschließenden Sprung auf die Leinwand in der Bedeutsamkeit der Rollen durchaus ähnelt. Julia Jentsch aber besteht darauf, dass es der Fleiß ist, dem sie ihren genialisch anmutenden Höhenflug verdankt.

Stilles Beharrungsvermögen

Eine gewisse Strenge, eine Art stillen Beharrungsvermögens verleiht sie auch ihren Filmfiguren. Der Jule in „Die fetten Jahre“, die duldsam Schulden abträgt, bis sie gemeinsam mit zwei Freunden in die Outlaw-Existenz ausbricht. Erduldung auch in „Schneeland“, in dem Ina vom eigenen Vater missbraucht wird, bevor die Befreiung in Gestalt eines geheimnisumwitterten Fremden naht. Und vor allem in dem Widerstandsfilm „Sophie Scholl“, in dem es ihr vor allem in den Verhörszenen gelingt, Selbstbewusstsein und Angst, Zielstrebigkeit und Erschütterung zu vereinen. Julia Jentsch ist immer dann am überzeugendsten, wenn sie nicht das Kino der großen Gesten zelebriert, sondern wenn sie zu den Untertönen vordringt, zu dem, was nicht gesagt werden muss, wohl aber gezeigt werden kann.

Ernste Rollen sind es in der Hauptsache, die Julia Jentsch ausfüllt, auch wenn Weingartners Film Züge einer komödiantischen Groteske trägt. Rollen zudem, die oft in der Rebellion enden, denn das Aufbegehren ist es, „das ich interessanter finde, weil dadurch erst Konflikte entstehen“. Aber das muss ja kein Leitbild für die Zukunft sein.

„»(T)Raumschiff Surprise« fand ich super“, sagt sie und mag nicht ausschließen, dass sie auch in solch einem Film einmal mitspielt. „Berührungsängste kenne ich da nicht.“ Wer weiß, vielleicht sehen wir Julia Jentsch, die Ernste, in „Periode 2“ in einer Rolle, in der sie der ohnehin angewärmten Crew um Bully Herbig noch einmal ordentlich einheizt. Die fetten Jahre jedenfalls scheinen für diese Schauspielerin noch lange nicht vorbei zu sein. Sie fangen gerade erst an.

 
© Julia-Jentsch.de 

 

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